Der Heilige Stuhl

APOSTOLISCHE REISE VON PAPST FRANZISKUS

NACH PANAMA AUS ANLASS DES 34. WELTJUGENDTAGES

(23.-28. JANUAR 2019)

HEILIGE MESSE ZUM WELTJUGENDTAG

PREDIGT DES HEILIGEN VATERS

 

Campo San Juan Pablo II – Metro Park (Panama)

Sonntag, 27. Januar 2019

 

»Die Augen aller in der Synagoge waren auf ihn gerichtet. Da begann er, ihnen darzulegen: Heute

hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt« (Lk 4,20-21).

So stellt uns das Evangelium den Beginn der öffentlichen Mission Jesu dar. Es schildert das

Ereignis in der Synagoge seines Heimatortes, umgeben von Bekannten und Nachbarn und – wer

weiß – vielleicht auch von manchen „Katecheten“ aus der Kindheit, die ihn das Gesetz gelehrt

hatten. Ein wichtiger Augenblick im Leben des Meisters, der als Kind im Schoß jener

Gemeinschaft erzogen wurde und aufgewachsen war. Er stand nun auf und ergriff das Wort, um

den Traum Gottes zu verkünden und umzusetzen. Ein Wort, das bis dahin nur als

Zukunftsverheißung verbreitet worden war, das aber im Munde Jesu nur im Präsens gesagt

werden konnte, da es zur Gegenwart wurde: »Heute hat es sich erfüllt.«

Jesus offenbart das Jetzt Gottes, der uns entgegenkommt, um auch uns aufzurufen, an seinem

Jetzt teilzunehmen, in dem den Armen eine frohe Botschaft gebracht, den Gefangenen die

Entlassung verkündet und ein Gnadenjahr des Herrn ausgerufen wird (vgl. Lk 4,18-19). Es ist das

Jetzt Gottes, das sich durch Jesus gegenwärtig wird. Es erhält ein Gesicht, wird zu Fleisch, zu

barmherziger Liebe, die nicht auf ideale Situationen, auf vollkommene Situationen für ihre

Offenbarung wartet. Sie braucht keine Ausreden zu ihrer Realisierung. Er ist die Zeit Gottes. Er

macht jede Situation und jeden Raum richtig und geeignet. In Jesus beginnt die verheißene

Zukunft und wird lebendig.

Wann? Jetzt. Aber nicht alle seine damaligen Zuhörer haben sich angesprochen oder aufgerufen

gefühlt. Nicht alle Bewohner von Nazaret waren bereit, an jemanden zu glauben, den sie hatten

aufwachsen sehen und sie dazu einlud, einen so sehr ersehnten Traum zu verwirklichen. Im

Gegenteil, sie sagten: „Aber ist das nicht Josefs Sohn?“ (vgl. Lk 4,22).

Auch uns kann das Gleiche passieren. Nicht immer glauben wir, dass Gott so konkret und im

Alltag anwesend sein kann, so nah und wirklich; und noch weniger, dass er sich durch eine

bekannte Person, einen Nachbar, einen Freund oder einen Familienangehörigen so gegenwärtig

macht und durch sie handelt. Nicht immer glauben wir, dass der Herr uns einladen kann, mit ihm

in seinem Reich auf so einfache, aber wirkungsvolle Weise zu arbeiten und uns die Hände

schmutzig zu machen. Es kostet uns Überwindung anzunehmen, dass die göttliche Liebe in der

Geschichte durch alle ihre schwierigen und ruhmvollen Ereignisse konkret und gleichsam greifbar

wird (vgl. Benedikt XVI., Katechese, 28. September 2005).

Und nicht selten verhalten wir uns wie die Bewohner von Nazaret, wenn uns ein

Gott auf Distanz lieber ist: schön, gut, großzügig, schön dargestellt, aber fern, so dass er vor allem nicht unbequem

wird, ein gezähmter Gott. Weil ein naher Gott im Alltag, ein Gott, der Freund und Bruder ist, von

uns verlangt, Nähe, Alltäglichkeit und vor allem Geschwisterlichkeit zu lernen. Er wollte sich

nicht unter Engelsgestalt oder auf spektakuläre Weise zeigen, sondern wollte uns ein brüderliches

und freundschaftliches, konkretes und familiäres Gesicht schenken. Gott ist wirklich, weil die Liebe

wirklich ist, Gott ist konkret, weil auch die Liebe konkret ist. Und es ist genau diese Konkretheit der

Liebe, die eines der wesentlichen Elemente für das Leben der Christen ist (vgl. Ders.,

Predigt, 1. März 2006).

Auch wir können den gleichen Risiken wie die Menschen in Nazaret ausgesetzt sein, wenn in

unseren Gemeinschaften das Evangelium zu konkretem Leben werden will und wir anfangen zu

sagen: „Aber sind diese Jungen nicht Söhne von Maria, von Josef und sind sie nicht Brüder von ...

Verwandte von ...? Sind diese nicht die Jungen, denen wir geholfen haben aufzuwachsen ...? Der

soll still sein, wie können wir dem glauben? War das nicht derjenige, der immer die Fenster mit

dem Ball einschlug?“ Und einer, der geboren wurde, um Prophetie und Verkündigung des Reiches

Gottes zu verkörpern, wird gezähmt und verkümmert in seiner schlimmsten Ausführung. Das Wort

Gottes zähmen zu wollen ist eine Versuchung, die tagtäglich vorkommt.

Und auch euch, liebe junge Freunde, kann das Gleiche passieren; jedes Mal, wenn ihr denkt, dass

eure Sendung, eure Berufung, ja selbst euer Leben eine Verheißung ist, die aber nur für die

Zukunft gilt und nichts mit der Gegenwart zu tun hat. Als ob jung zu sein gleichbedeutend wäre mit

„Wartezimmer“ für jemanden, der auf seinen Termin wartet. Und in der „Zwischenzeit“ bis zu

diesem Termin erfinden wir für euch oder ihr selbst erfindet eine hygienisch gut verpackte und

folgenlose Zukunft, die gut aufgebaut und in der alles gewährleistet und „gut abgesichert“ ist. Wir

wollen euch nicht eine Zukunft aus dem Labor anbieten! Das ist die „Fiktion“ der Freude, nicht die

Freude des Heute, des Konkreten, der Liebe. Und so „beruhigen“ wir euch mit dieser Fiktion der

Freude, wir schläfern euch ein, damit ihr keinen Krach macht, damit ihr nicht zu sehr stört, damit

ihr euch selbst und uns keine Fragen stellt, damit ihr euch selbst und uns nicht in Frage stellt. Und

in dieser „Zwischenzeit“ verblassen eure Träume, sie kriechen dahin, sie beginnen einzuschlafen

und sind kleine, traurige „Illusionen“ (vgl. Predigt am Palmsonntag, 25. März 2018), nur weil wir

meinen oder ihr meint, dass euer Jetzt noch nicht gekommen ist; dass ihr zu jung seid, um euch

beim Träumen und Aufbauen der Zukunft einzubringen. Und so schicken wir euch wieder weiter

... Und wisst ihr was? Vielen jungen Leuten gefällt das. Bitte, helfen wir ihnen, es so zu machen,

dass es ihnen nicht gefällt, so dass sie reagieren, so dass sie das „Jetzt“ Gottes leben wollen.

Eine der Früchte der kürzlich abgehaltenen Synode war der Reichtum, uns treffen und vor allem

uns zuhören zu können. Der Reichtum des generationenübergreifenden Zuhörens, der Reichtum

des Austausches und der Wert anzuerkennen, dass die einen auf die anderen angewiesen sind,

dass wir uns bemühen müssen, die Kanäle und Räume zu fördern, in denen wir uns beim

Träumen und Aufbau des Morgen schon von heute an einbringen können. Aber nicht isoliert,

sondern vereint, indem wir einen gemeinsamen Raum schaffen. Einen Raum, der nicht verschenkt

wird und den wir nicht in der Lotterie gewinnen, sondern einen Raum, für den auch ihr kämpfen

müsst. Ihr Jugendlichen müsst euch euren Platz heute erkämpfen, weil das Leben heute

stattfindet. Keiner kann dir einen Tag in der Zukunft versprechen: dein Leben ist heute, heute

kommst du ins Spiel, dein Spielraum ist heute. Wie gehst du damit um?

Ihr, liebe junge Freunde, ihr seid nicht die Zukunft. Wir sagen gern: „Ihr seid die Zukunft ...“ Nein,

ihr seid die Gegenwart! Ihr seid nicht die Zukunft Gottes: ihr jungen Leute seid das

Jetzt Gottes!

Er versammelt euch, er ruft euch in euren Gemeinschaften, er ruft euch in euren Städten dazu auf,

nach den Großeltern, nach den Erwachsenen Ausschau zu halten; aufzustehen und zusammen

mit ihnen das Wort zu ergreifen und den Traum zu verwirklichen, mit dem der Herr euch geträumt

hat. Nicht morgen, jetzt; denn dort, jetzt, wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz (vgl. Mt 6,21). Und

das, worin ihr verliebt seid, wird nicht nur eure Vorstellungskraft erobern, sondern es wird alles

einbeziehen. Es wird das sein, was euch am Morgen zum Aufstehen bringt und euch in den

Augenblicken der Ermüdung anspornt, was euch das Herz zerreißen wird und euch mit Staunen,

mit Freude und Dankbarkeit erfüllen wird. Spürt, eine Mission zu haben und verliebt euch in sie,

und davon wird alles abhängen (vgl. Pedro Arrupe, SJ, Nada es más práctico). Wir werden alles

haben können, aber, junge Freunde, wenn die Leidenschaft der Liebe fehlt, wird alles fehlen. Die

Leidenschaft der Liebe heute! Lassen wir zu, dass der Herr uns zum Verlieben bringt und uns zum

Morgen führt!

 

Für Jesus gibt es keine „Zwischenzeit“, sondern eine barmherzige Liebe, die ins Herz eindringen

und es erobern will. Er will unser Schatz sein, weil Jesus nicht eine „Zwischenzeit“ in unserem

Leben oder eine vorübergehende Mode ist, er ist hingebungsvolle Liebe, die zur Hingabe einlädt.

Er ist konkrete, heute nahe, wirkliche Liebe; er ist festliche Freude, die entsteht, wenn man sich

dafür entscheidet, am wunderbaren Fischfang der Hoffnung und der Liebe, der Solidarität und der

Geschwisterlichkeit teilzunehmen angesichts so vieler gelähmter und lähmender Blicke aufgrund

der Ängste und des Ausschlusses, der Spekulation und der Manipulation.

Brüder und Schwestern, der Herr und seine Sendung sind nicht eine „Zwischenzeit“ in unserem

Leben, etwas Vorübergehendes, nicht nur ein Weltjugendtag: Sie sind unser Leben heute und auf

dem weiteren Weg! All diese Tage über hat uns auf besondere Weise wie eine Hintergrundmusik das Wort Marias

„Mir geschehe“ begleitet. Sie hat nicht nur an Gott und an seine Verheißungen als etwas Mögliches

geglaubt, sie hat Gott geglaubt und den Mut gehabt, „ja“ zu sagen, um an diesem Jetzt

des Herrn teilzunehmen. Sie hat gespürt, eine Mission zu haben, sie hat sich verliebt und dies hat alles

entschieden. Möget ihr spüren, dass ihr eine Mission habt, möget ihr zulassen, dass ihr euch

verliebt, und der Herr wird alles entscheiden.

Und wie es in der Synagoge von Nazaret geschehen ist, steht der Herr mitten unter uns, seinen

Freunden und Bekannten, erneut auf, nimmt das Buch und sagt uns: »Heute hat sich das

Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt« (Lk 4,21).

Liebe junge Freunde, wollt ihr die Konkretheit seiner Liebe leben? Euer „Ja“ möge weiterhin das

Eingangstor sein, auf dass der Heilige Geist der Kirche und der Welt ein neues Pfingsten schenke.

So sei es.

 

Abschließender Gruß

Zum Schluss dieser Feier danke ich Gott dafür, dass er uns die Möglichkeit gegeben hat, diese

Tage miteinander zu verbringen und erneut diesen Weltjugendtag zu erleben.

Insbesondere möchte ich dem Herrn Präsidenten von Panama, Juan Carlos Varela Rodríguez, für

seine Anwesenheit bei dieser Feier danken wie auch allen anderen politischen und zivilen

Autoritäten.

Ich danke Erzbischof José Domingo Ulloa Mendieta von Panama, für seine Hilfsbereitschaft und

seine guten Dienste, um diesen Weltjugendtag in seiner Diözese auszurichten, wie auch den

anderen Bischöfen dieses Landes und der benachbarten Länder für all das, was sie in ihren

Gemeinschaften getan haben, um vielen jungen Menschen Unterkunft und Hilfe zu gewähren.

Danke an alle Personen, die uns mit ihrem Gebet unterstützt haben und mit ihrem Einsatz und

ihrer Arbeit daran mitgewirkt haben, um den Traum des Weltjugendtags in diesem Land

Wirklichkeit werden zu lassen.

Und euch, liebe junge Freunde, ein großes „Dankeschön“. Euer Glaube und eure Freude haben

Panama, Amerika und die ganze Welt zum Pulsieren gebracht. Wie wir viele Male in diesen Tagen

in der Hymne des Weltjugendtags gehört haben: „Aus Städten, Kontinenten und Nationen

kommen wir als Pilger“. Wir sind unterwegs: Geht weiter auf dem Weg, lebt den Glauben weiter

und teilt ihn miteinander. Und vergesst nicht, dass ihr nicht das Morgen seid, dass ihr ihr nicht die

„Zwischenzeit“ seid, sondern das Jetzt Gottes.

 

Der Ort des nächsten Weltjugendtages ist bereits verkündet worden. Ich bitte euch, das, was ihr in

diesen Tagen erlebt habt, nicht abkühlen zu lassen. Kehrt in eure Pfarreien und eure

Gemeinschaften zurück, in eure Familien und zu euren Freunden. Gebt das, was ihr erlebt habt,

weiter, damit andere den Schwung der Kraft und der konkreten Hoffnung leben, die euch erfüllt.

Und sagt auch weiterhin mit Maria „ja“ zu dem Traum, den Gott in euch gesät hat.

Und bitte, vergesst nicht, für mich zu beten.

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Der Heilige Stuhl

APOSTOLISCHE REISE VON PAPST FRANZISKUS

NACH PANAMA AUS ANLASS DES 34. WELTJUGENDTAGES

(23.-28. JANUAR 2019)

VIGIL MIT DEN JUGENDLICHEN

ANSPRACHE DES HEILIGEN VATERS

 

Campo San Juan Pablo II – Metro Park (Panama)

Samstag, 26. Januar 2019

 

Liebe junge Freunde, guten Abend!

Wir haben gerade diese schöne Darbietung zum Baum des Lebens gesehen, die uns zeigt, wie

das Leben, das Jesus uns schenkt, eine Geschichte der Liebe ist, eine

Geschichte des Lebens, die sich mit unserer eigenen Geschichte vermischen und im Erdreich eines jeden Wurzeln

schlagen will. Jenes Leben ist weder ein Rettungsprogramm, das „in der Cloud“ hängt und darauf

wartet, heruntergeladen zu werden, noch ist es eine neue „App“, die man entdecken müsste, oder

eine mentale Übung im Sinne einer Technik zum persönlichen Wachstum. Das Leben, das Gott

uns anbietet, ist auch kein Tutorial, mit dem man etwas über die letzten Neuheiten erfahren kann.

Die Rettung, die Gott uns schenkt, ist eine Einladung zur Teilnahme an einer Liebesgeschichte,

die sich mit unseren Geschichten verknüpft; sie lebt fort und will mitten unter uns geboren werden,

damit wir dort, wo wir sind, wie wir sind und mit wem wir sind, fruchtbringen können. Dorthin

kommt der Herr, um zu pflanzen und sich selbst einzupflanzen; er ist der Erste, der „Ja“ zu

unserem Leben sagt, er ist immer der Erste. Er ist der Erste, der „Ja“ zu unserer Geschichte sagt,

und er wünscht, dass auch wir zusammen mit ihm „Ja“ sagen. Er geht uns immer voraus, er ist der

Erste. Und so überraschte er Maria und lud sie ein, Teil dieser Liebesgeschichte zu sein. Die junge Frau

aus Nazareth tauchte zweifellos nicht in den „sozialen Netzwerken“ der damaligen Zeit auf, sie

war keine Influencerin, aber ohne es zu wollen oder danach zu streben, wurde sie die

Frau mit dem größten Einfluss aller Zeiten.

Und wir können von ihr mit kindlichen Vertrauen sagen: Maria, die „

Influencerin“ Gottes. Mit wenigen Worten hatte sie den Mut, „Ja“ zu sagen und auf die Liebe, auf die Verheißungen Gottes

zu vertrauen, die einzige Kraft, die in der Lage ist, alles zu erneuern, neu zu machen. Und wir alle

haben heute etwas, das in unserem Inneren neu gemacht werden muss. Wir müssen heute

zulassen, dass Gott etwas in unserem Herzen neu macht. Denken wir ein wenig darüber nach:

Was will ich, dass Gott es in meinem Herzen neu macht?

Noch immer beeindruckt die Kraft des „Ja“ der jungen Maria. Die Kraft jenes „Mir geschehe“, das

sie zu dem Engel sagte. Dies war keine passive oder resignierte Einwilligung. Es war etwas

Anderes als ein „Ja“, im Sinne eines „Gut, schauen wir mal, was passiert“. Maria kannte diesen

Ausdruck nicht: „Schauen wir mal, was passiert.“ Sie war entschlossen, sie hat verstanden, worum

es ging, und sagte „Ja“, ohne Umschweife. Es war mehr, es war etwas Anderes. Es war das „Ja“

eines Menschen, der sich einbringen und Risiken eingehen will und alles auf eine Karte setzen

will, mit keiner anderen Garantie als der Gewissheit, Trägerin einer Verheißung zu sein. Und ich

frage einen jeden von euch: Fühlt ihr euch als Träger einer Verheißung? Welche Verheißung trage

ich im Herzen, für die ich mich einsetzen muss? Maria würde zweifelsohne eine schwierige

Mission haben, aber die Schwierigkeiten waren kein Grund, „Nein“ zu sagen. Es war klar, dass es

Komplikationen geben würde, aber es wären nicht dieselben Komplikationen gewesen, die

auftreten, wenn die Feigheit uns lähmt, weil wir nicht im Voraus schon alles geklärt oder

abgesichert haben. Maria hat keine Lebensversicherung abgeschlossen! Maria ging das Risiko ein

und deswegen war sie stark, deswegen ist sie eine

Influencerin, ist sie die Influencerin Gottes!

Das „Ja“ und der Wunsch zu dienen waren stärker als die Zweifel und Schwierigkeiten.

Heute Abend hören wir auch, wie das „Ja“ Mariens von Generation zu Generation widerhallt und

sich vervielfältigt. Viele junge Menschen, die dem Beispiel Mariens folgen, riskieren etwas und

setzen auf etwas, weil sie einer Verheißung folgen. Danke, Erika und Rogelio, für das Zeugnis,

das ihr uns gegeben habt. Diese beiden waren mutig! Sie verdienen einen Applaus. Danke! Ihr

habt uns von euren Ängsten, von den Schwierigkeiten, von all den Risiken erzählt, die ihr vor der

Geburt von Ines erlebt habt. An einem gewissen Punkt habt ihr gesagt: „Es verlangt uns Eltern

aus verschiedenen Gründen viel ab, ein Kind anzunehmen, das krank oder behindert auf die Welt

kommen wird“, das ist klar, das ist verständlich. Aber das Erstaunliche war, als ihr hinzugefügt

habt: „Als unsere Tochter geboren wurde, haben wir beschlossen, sie von ganzem Herzen zu

lieben“. Vor ihrer Geburt und angesichts all der schlechten Nachrichten und Schwierigkeiten, die

auftauchten, habt ihr eine Entscheidung getroffen und wie Maria gesagt: „Uns geschehe ...“ Ihr

habt beschlossen, sie zu lieben. Angesichts des schwachen, hilflosen und bedürftigen Lebens

eurer Tochter war eure Antwort – Erika und Rogelio –: „Ja“, und so haben wir Ines. Ihr hattet den

Mut, daran zu glauben, dass die Welt nicht nur für die Starken ist! Danke!

„Ja“ zu sagen zum Herrn bedeutet, den Mut zu haben, das Leben, wie es kommt, mit all seiner

Zerbrechlichkeit und Begrenztheit und oft sogar mit all seinen Widersprüchen und Sinnlosigkeiten,

mit der gleichen Liebe anzunehmen, mit der Erika und Rogelio zu uns gesprochen haben. Das

Leben so annehmen, wie es kommt. Dies bedeutet, unser Land, unsere Familien, unsere Freunde

so anzunehmen, wie sie sind, auch mit ihren Schwächen und ihrer Begrenztheit. Das Leben

annehmen kann auch bedeuten, all das willkommen zu heißen, was nicht vollkommen ist, was

nicht rein oder gefiltert, aber deswegen nicht weniger liebenswert ist. Ist jemand, nur, weil er

behindert oder fragil ist, nicht der Liebe würdig? Ich frage euch: Ist ein Behinderter, ein Mensch

mit Behinderung, ein fragiler Mensch der Liebe würdig? [Antwort: „Ja!“] Ich höre es nicht gut

[lauter: „Ja!“] Ihr habt verstanden. Eine andere Frage, schauen wir, wie ihr antwortet. Ist jemand,

nur, weil er ein Fremder ist, weil er Fehler gemacht hat, weil er krank ist oder weil er in einem

Gefängnis sitzt, der Liebe würdig? [Antwort: „Ja!“] Und so handelte Jesus: Er nahm sich des

Aussätzigen, des Blinden und des Lahmen, des Pharisäers und des Sünders liebevoll an. Er

nahm den Verbrecher am Kreuz an und sogar diejenigen, die ihn ans Kreuz lieferten, und verzieh

ihnen. Warum? Weil nur das, was man liebt, gerettet werden kann. Du kannst keine Person retten, keine

Situation retten, wenn du sie nicht liebst. Nur das, was man liebt, kann gerettet werden.

Wiederholen wir das? [gemeinsam:] Nur was man liebt, kann gerettet werden. Noch einmal! [Die

Jugendlichen: „Nur was man liebt, kann gerettet werden.“] Vergesst das nicht. Darum hat Jesus

uns gerettet: Weil er uns liebt und nicht anders kann. Wir können ihm was auch immer antun, er

jedoch liebt uns und rettet uns. Denn nur was man liebt, kann gerettet werden. Nur was man

annimmt, kann verwandelt werden. Die Liebe des Herrn ist größer als all unsere Widersprüche,

als all unsere Schwächen und als all unsere Begrenztheiten. Aber gerade mithilfe unserer

Widersprüche, Schwächen und Begrenztheiten will er diese Liebesgeschichte schreiben. Er hat

den verlorenen Sohn angenommen, er hat Petrus nach seiner Verleugnung angenommen; er

nimmt auch uns immer, immer, immer an, wenn wir gefallen sind und hilft uns, aufzustehen und

wieder auf die Beine zu kommen. Denn der wirkliche Fall – Achtung! –, der wirkliche Fall, der

unser Leben zerstören kann, besteht darin, am Boden liegen zu bleiben und sich nicht helfen zu lassen.

Es gibt ein sehr schönes Berglied, das beim Hinaufgehen auf den Berg gesungen wird:

„Das ist die Kunst des Aufstiegs: Der Sieg besteht nicht darin, nicht zu stürzen, sondern nicht

liegen zu bleiben.“ Nicht liegen bleiben! Die Hand ausstrecken, damit sie dich hochziehen. Nicht

liegen bleiben. Der erste Schritt besteht darin,

keine Angst davor zu haben, das Leben so zu nehmen, wie es

kommt, nicht Angst davor zu haben, das Leben anzunehmen, wie es ist.

Das ist der Baum des Lebens, den wir heute [während der Gebetsvigil] gesehen haben.

Danke, Alfredo, für dein Zeugnis und den Mut, es mit uns allen zu teilen. Ich war sehr beeindruckt,

als du gesagt hast: „Ich begann im Bauwesen zu arbeiten, bis das Projekt beendet war. Ohne

Arbeitsplatz sahen die Dinge anders aus: ohne Schule, ohne Beschäftigung und ohne Arbeit“. Ich

fasse in einem vierfachen „Ohne“ die Faktoren zusammen, die unser Leben entwurzeln und

austrocknen: ohne Arbeit, ohne Bildung, ohne Gemeinschaft, ohne Familie. Beziehungsweise ein

Leben ohne Wurzeln. Ohne Arbeit, ohne Bildung, ohne Gemeinschaft und ohne Familie: diese vier

„Ohne“ töten.

Es ist unmöglich, dass jemand wächst, wenn er keine starken Wurzeln hat, die helfen, gut und fest

mit beiden Beinen auf dem Boden zu stehen. Es ist leicht, sich zu verlieren, wenn man keinen Ort

hat, wo man feststehen, Halt finden kann. Das ist eine Frage, die wir Erwachsenen uns stellen

müssen, die wir hier sind. Ja, eigentlich ist es eine Frage, die ihr uns stellen müsstet, ihr junge

Menschen müsstet sie uns Erwachsenen stellen, und wir werden euch darauf antworten müssen:

Welche Wurzeln geben wir euch? Welche Grundlagen, auf denen ihr euer Menschsein aufbauen

könnt? Es ist eine Frage an uns Erwachsene. Wie leicht ist es, junge Menschen zu kritisieren und

die ganze Zeit herumzunörgeln, wenn wir ihnen Arbeits- und Bildungsmöglichkeiten sowie

Gemeinschaftserfahrungen vorenthalten, die Halt geben und Zukunftsträume wecken! Ohne

Bildung ist es schwierig, von der Zukunft zu träumen; ohne Arbeit ist es sehr schwierig, von der

Zukunft zu träumen; ohne Familie und ohne Gemeinschaft ist es schier unmöglich, von der

Zukunft zu träumen. Denn von der Zukunft zu träumen bedeutet, nicht nur eine Antwort auf die

Frage „Warum lebe ich?“ zu finden, sondern auch auf die Frage „Für wen lebe ich?“, für wen lohnt

es sich zu leben. Und das müssen wir Erwachsene fördern, indem wir euch Arbeit, Bildung,

Gemeinschaft und Chancen geben.

Es ist, wie Alfredo sagte: wenn einer in der Luft hängt und ohne Arbeit, Bildung, Gemeinschaft

oder Familie dasteht, fühlt er sich am Ende des Tages leer und füllt diese Lücke schließlich mit

allem Möglichen aus, mit etwas Schlechtem. Denn mit der Zeit weiß man dann nicht mehr, für wen

man leben, kämpfen und lieben soll. Ich frage die Erwachsenen hier und die, die uns zuschauen:

Was tust du für die Zukunft, für die Lust auf Zukunft dieser jungen Menschen von heute? Bist du

fähig, dafür zu kämpfen, dass sie Möglichkeiten zur Bildung haben, dass sie Arbeit finden, dass

sie Familie haben, dass sie Gemeinschaft haben? Jeder von uns Erwachsenen antworte im

eigenen Herzen.

Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einigen Jugendlichen, wo einer von ihnen mich fragte:

„Warum fragen sich heute so wenige junge Menschen, ob es Gott gibt oder warum fällt es ihnen

so schwer, an ihn zu glauben und sich im Leben für etwas einzusetzen?“ Ich antwortete: „Und ihr,

was denkt ihr?“ Unter den Antworten, die aus dem Gespräch heraus entstanden, erinnere ich mich

an eine, die mein Herz berührte und die mit der Erfahrung zusammenhängt, von der Alfredo

sprach: „Padre, weil viele von ihnen das Gefühl haben, dass sie nach und nach für die anderen

aufgehört haben zu existieren, oft fühlen sie sich wie unsichtbar“. Viele junge Menschen haben

das Gefühl, dass sie für die anderen aufgehört haben zu existieren: für die Familie, für die

Gesellschaft, für die Gemeinschaft ..., und so fühlen sie sich oft unsichtbar. Das ist die Kultur der

Verlassenheit und mangelnder Achtsamkeit. Ich sage nicht alle, aber viele haben das Gefühl, dass

sie nicht viel oder nichts zu geben haben, weil sie keinen realen Ort haben, wo sie erleben, dass

sie gefragt sind. Wie sollen sie da denken, dass Gott existiert, wenn sie selbst, diese jungen

Menschen, für ihre Brüder und Schwestern und für die Gesellschaft schon längst nicht mehr

existieren? So bringen wir sie dazu, nicht an die Zukunft zu denken und zu Opfern von Drogen

oder anderen zerstörerischen Dingen zu werden. Wir können uns fragen: Wie gehe ich mit den

Jugendlichen um, die ich sehe? Kritisiere ich sie oder interessieren sie mich nicht? Helfe ich ihnen

oder interessieren sie mich nicht? Stimmt es, dass sie für mich schon lange aufgehört haben zu

existieren? Wir wissen genau, dass es nicht ausreicht, den ganzen Tag online

zu sein, um sich anerkannt und geliebt zu fühlen. Beachtung zu erfahren und zu etwas eingeladen zu sein, ist mehr wert als

„im Netz“ zu sein. Es bedeutet, Orte zu finden, in denen ihr euch mit euren Händen, eurem Herzen

und eurem Kopf als Teil einer größeren Gemeinschaft fühlen könnt, die euch braucht und die auch

ihr Jugendliche braucht.

Dies haben die Heiligen gut verstanden. Ich denke zum Beispiel an Don Bosco [Applaus], der

nicht sonst wohin gegangen ist, um die Jugendlichen an einem fernen oder speziellen Ort zu

suchen – Man sieht, dass welche da sind, die Don Bosco gerne haben, ein Applaus! Don Bosco

zog nicht los, um die jungen Menschen an einem fernen oder speziellen Ort zu suchen; er lernte

einfach nur, alles, was in der Stadt geschah, zu sehen, mit den Augen Gottes anzuschauen, und

so kam er zu den Hunderten von verlassenen Kindern und Jugendlichen ohne Schule, ohne Arbeit

und ohne die freundliche Hand einer Gemeinschaft. Viele Menschen lebten in derselben Stadt,

und viele kritisierten diese jungen Menschen, aber sie waren nicht fähig, sie mit den Augen Gottes

betrachten. Die Jugendlichen muss man mit den Augen Gottes anschauen. Er tat dies, Don

Bosco, er wusste, wie man den ersten Schritt macht: das Leben so anzunehmen, wie es einem

begegnet; und von daher hatte er keine Angst, den zweiten Schritt zu tun: mit ihnen eine

Gemeinschaft zu gründen, eine Familie, in der sie sich bei Arbeit und Studium geliebt fühlen

konnten. Ihnen Wurzeln geben, mit denen sie Halt finden, damit sie den Himmel erreichen können;

damit sie jemand sind in der Gesellschaft. Ihnen Wurzeln geben, mit denen sie Halt

finden, damit nicht der erste Windstoß sie umwirft. Dies hat Don Bosco getan, dies haben die

Heiligen getan, das tun die Gemeinschaften, die es verstehen, die jungen Menschen mit den

Augen Gottes zu sehen. Wollt ihr Erwachsenen die Jugendlichen mit den Augen Gottes sehen?

Ich denke an viele Orte in unserem Lateinamerika, wo Einrichtungen gefördert werden, die

Große Familie - Haus Christi [Familia grande hogar de Cristo] heißen, und die im gleichen Geist wie

andere ähnliche Zentren versuchen, das Leben so anzunehmen, wie es in seiner Gesamtheit und

Komplexität vorkommt, weil sie wissen, dass »für den Baum noch Hoffnung besteht: Ist er gefällt,

so treibt er wieder, sein Sprössling bleibt nicht aus« (vgl. Ijob 14,7).

Und immer kann man „neu austreiben und sprießen“, immer kann man neu beginnen, wenn es

eine Gemeinschaft gibt, die Nestwärme eines Hauses, wo man Wurzeln schlagen kann, wo das

notwendige Vertrauen besteht und das Herz darauf vorbereitet wird, einen neuen Horizont zu

entdecken: den Horizont eines Sohnes und einer Tochter, die erfahren, dass sie geliebt, gesucht

und gefunden sind, dass sie für eine Mission bestimmt sind. Der Herr macht sich durch konkrete

Gesichter gegenwärtig. Zu dieser Liebesgeschichte wie Maria „Ja“ zu sagen bedeutet auch zu

bejahen, dass wir Werkzeuge sind, um in unserer Umgebung kirchliche Gemeinschaften

aufzubauen, die in der Lage sind, durch die Straßen der Stadt zu ziehen, die Anderen

anzunehmen und neue Beziehungen zu knüpfen. Ein „Influencer“ des 21. Jahrhunderts zu sein

bedeutet, ein Hüter unserer Wurzeln zu sein, Hüter all dessen, was verhindert, dass unser Leben

„gasförmig“ wird, dass unser Leben im Nichts verdunstet. Ihr Erwachsenen, seid Hüter all dessen,

was es uns erlaubt, uns als Teil voneinander zu fühlen, Hüter all dessen, was uns erfahren lässt,

dass wir zueinander gehören.

So hat Nirmeen das auf dem Weltjugendtag in Krakau erlebt. Sie begegnete einer lebendigen,

freudigen Gemeinschaft, die auf sie zuging, ihr ein Gefühl der Zugehörigkeit und damit auch der

Identität gab und ihr erlaubte, die Freude zu leben, die die Begegnung mit Jesus vermittelt.

Nirmeen mied Jesus, sie hat ihn gemieden, hielt ihn auf Distanz, bis jemand sie dazu brachte,

Wurzeln zu schlagen, und ihr eine Zugehörigkeit gab, und diese Gemeinschaft gab ihr den Mut,

diesen Weg zu beginnen, von dem sie uns erzählt hat.

Ein lateinamerikanischer Heiliger fragte sich einmal: »Dient der Fortschritt der Gesellschaft einzig

dazu, dass man sich das neueste Automodell oder die neueste auf dem Markt befindliche

Technologie erwerben kann? Besteht darin die ganze Größe des Menschen? Gibt es nichts

Größeres, als dafür zu leben?« (Alberto Hurtado, Meditación de Semana Santa para jóvenes,

1946). Ich frage euch, euch Jugendliche: Wollt ihr diese Art von Größe? Oder nicht? Seid ihr

unsicher ... Hier hört man nicht gut, was ist los? ... [„Nein!“] Größe besteht nicht darin, das

neueste Automodell zu besitzen oder die neueste Technologie zu erwerben. Ihr seid für etwas

Größeres geschaffen! Maria hat das verstanden und so sagte sie: „Mir geschehe!“ Erika und

Rogelio haben das verstanden und sagten: „Uns geschehe!“ Alfredo hat das verstanden und

sagte: „Mir geschehe!“ Nirmeen hat das verstanden und sagte: „Mir geschehe!“ Wir haben sie hier

gehört. Liebe Freunde, ich frage euch: Seid ihr bereit, „ja“ zu sagen? [„Ja!“] Jetzt antwortet ihr, so

gefällt es mir besser! Das Evangelium lehrt uns, dass die Welt nicht besser wäre, wenn es

weniger kranke Menschen, weniger schwache Menschen, weniger gebrechliche oder ältere

Menschen gäbe, um die man sich kümmern muss, oder wenn es weniger Sünder gäbe, nein, sie

wäre nicht besser deshalb. Die Welt wird erst dann besser, wenn es mehr Menschen gibt, welche

wie diese Freunde, die zu uns gesprochen haben, die Bereitschaft und den Mut aufbringen, mit

der Zukunft schwanger zu gehen und an die verwandelnde Kraft der Liebe Gottes zu glauben.

Euch, junge Leute, frage ich: Wollt ihr „Influencer“ nach der Art Marias sein? [„Ja!“] Sie hatte den

Mut, „Mir geschehe“ zu sagen. Nur die Liebe macht uns menschlicher, nicht die Streitereien, nicht

allein das Studium: nur die Liebe macht uns menschlicher und erfüllter, alles andere sind

wohlschmeckende, aber leere Placebos.

Bald werden wir Jesus begegnen, Jesus, der in der Eucharistie fortlebt. Ihr werdet ihm sicher

vieles zu sagen und viel von den verschiedenen Situationen eures Lebens, eurer Familien und

eurer Länder zu erzählen haben.

Wenn ihr so von Angesicht zu Angesicht vor Jesus steht, dann habt Mut und keine Angst, ihm

euer Herz zu öffnen, damit er das Feuer seiner Liebe in euch erneuere, damit er euch ermutige,

das Leben mit all seiner Schwäche, mit all seiner Begrenztheit, aber auch mit all seiner Größe und

Schönheit anzunehmen. Jesus helfe euch zu entdecken, wie schön es ist, lebendig und wach zu

sein. Lebendig und wach.

Scheut euch nicht, Jesus zu sagen, dass auch ihr an seiner Liebesgeschichte in der Welt

teilnehmen wollt, dass ihr „mehr“ wollt!

Liebe Freunde, ich bitte euch, seid so gut, betet in diesem persönlichen Gespräch mit Jesus auch

für mich, damit auch ich keine Angst habe, das Leben anzunehmen, dass auch ich in der Lage

bin, die Wurzeln zu bewahren, und wie Maria sage: „Mir geschehe, wie du es gesagt hast!“.

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Der Heilige Stuhl

APOSTOLISCHE REISE VON PAPST FRANZISKUS

NACH PANAMA AUS ANLASS DES 34. WELTJUGENDTAGES

(23.-28. JANUAR 2019)

KREUZWEG MIT DEN JUGENDLICHEN

 

Campo Santa Maria la Antigua – Küstenpromenade (Panama)

Freitag, 25. Januar 2019

 

Worte des Heiligen Vaters zu Beginn des Kreuzweges

 

Liebe junge Freunde aus der ganzen Welt!

Mit Jesus zu gehen ist immer eine Gnade und ein Risiko.

Eine Gnade, weil es uns dazu bringt, im Glauben zu leben und Jesus zu erkennen, in sein tiefstes

Inneres vorzudringen und die Kraft seines Wortes zu begreifen.

Es ist aber auch ein Risiko, weil die Worte Jesu, seine Gesten und Handlungen der Mentalität der

Welt entgegenstehen: der menschlichen Ruhmsucht sowie ihrem Hang zu einer Wegwerfkultur

und zur Lieblosigkeit.

Es gibt eine Gewissheit, die diesen Kreuzweg mit Hoffnung erfüllt: Jesus ist diesen Weg mit Liebe

gegangen. Und auch die glorreiche Jungfrau hat diesen Weg miterlebt, sie, die von den Anfängen

der Kirche an mit ihrer Zärtlichkeit den Weg der Verkündigung des Evangeliums unterstützen

wollte.

 

ANSPRACHE DES HEILIGEN VATERS

 

Herr, Vater der Barmherzigkeit, an dieser Cinta Costera haben wir zusammen mit vielen

Jugendlichen aus der ganzen Welt deinen Sohn auf dem Kreuzweg begleitet; dem Weg, den er für

uns gehen wollte, um uns zu zeigen, wie sehr du uns liebst und wie sehr du an unserem Leben

Anteil nimmst.

Der Weg Jesu nach Golgota ist ein Weg des Leidens und der Einsamkeit, den er in unseren

Tagen fortsetzt. Er geht und leidet in vielen Gesichtern aufgrund der selbstgenügsamen und

betäubenden Gleichgültigkeit unserer Gesellschaft, einer Gesellschaft, die konsumiert und sich

verbraucht, die am Leiden ihrer Geschwister vorbeigeht und so sich selbst ignoriert.

Auch wir, deine Freunde, Herr, lassen uns von der Apathie und der Unbeweglichkeit ergreifen.

Nicht selten hat der Konformismus uns besiegt und gelähmt. Es war schwierig, dich im leidenden

Bruder oder in der leidenden Schwester zu erkennen: Wir haben den Blick abgewendet, um nicht

zu sehen; wir haben im Lärm Zuflucht genommen, um nicht zu hören; wir haben den Mund

verschlossen, um nicht zu schreien. Immer dieselbe Versuchung. Es ist einfacher und „lohnender“, in Zeiten von Sieg und Ruhm,

Erfolg und Applaus Freunde zu sein; es ist einfacher, dem nahe zu sein, der als beliebt und

siegreich gilt. Wie einfach ist es, der Kultur des Mobbings, der Belästigung, der Einschüchterung, der Wut

gegenüber dem Schwachen zu verfallen!

Bei dir ist es nicht so, Herr: Am Kreuz hast du dich mit jedem Leiden identifiziert, mit all denen, die

sich vergessen fühlen.

Bei dir ist es nicht so, Herr, weil du all diejenigen umarmen wolltest, die wir oftmals einer

Umarmung, eines Streichelns, eines Segens für unwürdig halten; oder noch schlimmer: Wir

nehmen nicht einmal wahr, dass sie dessen bedürfen, wir beachten sie nicht.

Bei dir ist es nicht so, Herr: Am Kreuz vereinst du dich mit dem Kreuzweg jedes jungen Menschen,

in jeder Situation, um ihn in einen Weg der Auferstehung zu verwandeln.

Vater, der Kreuzweg deines Sohnes geht heute weiter:

er geht weiter im erstickten Schrei der Kinder, denen es verwehrt ist, geboren zu werden, und so

vieler anderer, denen das Recht auf eine Kindheit, eine Familie und Bildung verweigert wird; bei

den Kindern, die nicht spielen, singen, träumen können ...;

2

er geht weiter bei den misshandelten, ausgebeuteten und verlassenen Frauen, die in ihrer Würde

entblößt und missachtet werden;

und in den traurigen Augen der jungen Menschen, die sehen, wie ihnen aufgrund von Mangel an

Bildung und würdiger Arbeit ihre Hoffnungen auf die Zukunft entrissen werden;

er geht weiter in der Angst der jungen Gesichter, unserer Freunde, die in die Netze skrupelloser

Menschen geraten – unter ihnen finden sich auch Personen, die sagen, dass sie dir dienen, Herr

–, in die Netze der Ausbeutung, der Kriminalität und des Missbrauchs, die sich vom Leben der

jungen Menschen nähren.

Der Kreuzweg deines Sohnes geht weiter bei vielen jungen Menschen und Familien, die aufgrund

von Drogen, Alkohol, Prostitution und Menschenhandel in einer Spirale des Todes gefangen sind

und so nicht nur der Zukunft, sondern auch der Gegenwart beraubt werden. Und so wie deine

Kleider zerteilt wurden, Herr, wird ihre Würde zerteilt und misshandelt.

Der Kreuzweg deines Sohnes geht weiter bei den jungen Menschen mit finsteren Gesichtern, die

die Fähigkeit, von der Zukunft zu träumen, sie zu schaffen und zu erfinden, verloren haben und

mit dem Kummer der Resignation und des Konformismus „in Ruhestand gehen“, eine der Drogen,

die in unserer Zeit am meisten konsumiert wird.

Er geht weiter im verborgenen und empörenden Schmerz derer, die statt Solidarität seitens einer

Überflussgesellschaft Ablehnung, Schmerz und Elend antreffen und darüber hinaus als Bringer

und Verantwortliche jedes sozialen Übels bezeichnet und behandelt werden.

Der Leidensweg deines Sohnes geht weiter in der resignierten Einsamkeit der alten Menschen,

die von uns verlassen und ausgesondert wurden.

Er geht weiter bei den indigenen Völkern, die ihres Bodens, ihrer Wurzeln und ihrer Kultur beraubt

werden und deren Weisheit, die sie besitzen und uns anbieten können, zum Schweigen und

Erlöschen gebracht wird.

Vater, der Kreuzweg deines Sohnes geht weiter im Schrei unserer Mutter Erde, die in ihrem

Innersten durch die Luftverschmutzung, durch die Unfruchtbarkeit ihrer Felder, durch die

Verseuchung ihres Wassers verletzt ist und durch die Verachtung und den wahnsinnigen Konsum

über jegliches Maß der Vernunft hinaus mit Füßen getreten wird.

Er geht weiter in einer Gesellschaft, die die Fähigkeit verloren hat, zu weinen und sich vom Leiden

anrühren zu lassen.

Ja, Vater, mit all diesen Personen geht Jesus weiter, nimmt er weiter die Last auf sich und leidet,

3

während die Welt gleichgültig und in bequemem Zynismus das Drama ihrer Leichtfertigkeit

konsumiert.

Und wir, Herr, was tun wir?

Wie reagieren wir gegenüber Jesus, der in so vielen unserer Freunde, so vielen Unbekannten, die

zu übersehen wir gelernt haben, leidet, geht, auswandert?

Und wir, Vater der Barmherzigkeit, trösten und begleiten wir den wehrlosen und leidenden Herrn

in den Kleinsten und am meisten Verlassenen?

Helfen wir ihm, die Last des Kreuzes zu tragen wie Simon von Kyrene, indem wir Frieden stiften,

Bündnisse schaffen, Geschwisterlichkeit fördern?

Haben wir den Mut, unter dem Kreuz zu bleiben wie Maria?

Betrachten wir Maria, die starke Frau. Von ihr wollen wir lernen, beim Kreuz zu stehen. Mit ihrer

gleichen Entschiedenheit und ihrem Mut ohne Ausflüchte oder Illusionen. Sie wusste den Schmerz

ihres Sohnes, deines Sohnes, o Vater, zu begleiten; ihn mit dem Blick zu unterstützen und mit

dem Herzen zu umhüllen. Ein Schmerz, den sie erlitt, der sie aber nicht gebeugt hat. Sie war die

starke Frau des Ja, die unterstützt und begleitet, Schutz gibt und umarmt. Sie ist die große Hüterin

der Hoffnung.

Auch wir, Vater, wollen eine Kirche sein, die unterstützt und begleitet, die angesichts des Lebens

und der Kreuze so vieler „Christusse“, die an unserer Seite gehen, sagen kann: Hier bin ich!

Von Maria lernen wir, Ja zu sagen zum starken und beständigen Widerstand so vieler Mütter,

Väter, Großeltern, die nicht aufhören, ihre Kinder und Enkel zu unterstützen und zu begleiten,

wenn sie in Not sind.

Von ihr lernen wir, Ja zu sagen zur beharrlichen Geduld und zur Kreativität derer, die in den

Situationen, in denen alles verloren scheint, nicht den Mut verlieren und wieder von vorne

anfangen, indem sie versuchen, Räume, familiäre Umfelder und Zentren der Fürsorge zu

schaffen, die wie eine ausgestreckte Hand in den Schwierigkeiten sind.

Von Maria lernen wir die Stärke, Ja zu sagen zu denen, die nicht geschwiegen haben und nicht

schweigen angesichts einer Kultur der Misshandlung und des Missbrauchs, des Gesichtsverlusts

und der Aggression und die sich darum bemühen, Möglichkeiten und Bedingungen der Sicherheit

und des Schutzes zu schaffen.

Von Maria lernen wir, all diejenigen aufzunehmen und zu beherbergen, die das Leid erfahren

4

haben, verlassen zu werden, die ihr Land, ihre Wurzeln, ihre Familie, ihre Arbeit aufgeben oder

verlieren mussten.

Vater, wie Maria wollen wir Kirche sein, die Kirche, die eine Kultur fördert, die fähig ist,

aufzunehmen, zu beschützen, zu fördern und zu integrieren; die nicht brandmarkt und noch

weniger mit der überaus abwegigen und unverantwortlichen Verurteilung verallgemeinert, jeden

Migranten mit dem Überbringer von sozialem Übel zu identifizieren.

Von ihr wollen wir lernen, beim Kreuz zu stehen, aber nicht mit einem gepanzerten und

verschlossenen Herzen, sondern mit einem Herzen, das zu begleiten vermag, das die Zärtlichkeit

und die Hingabe kennt; das fähig ist, sich zu erbarmen und mit Achtung, Feingefühl und

Verständnis zu handeln. Wir wollen eine Kirche des Gedächtnisses sein, die die alten Menschen

achtet und schätzt und für sie den Raum einfordert, der ihnen als Hüter unserer Wurzeln gehört.

Vater, wie Maria wollen wir lernen stehen zu bleiben.

Lehre uns, Herr, am Fuß des Kreuzes stehen zu bleiben, am Fuß der Kreuze; öffne an diesem

Abend unsere Augen, unser Herz; befreie uns von den Lähmungen und der Verwirrung, von der

Angst und der Verzweiflung. Vater, lehre uns zu sagen: Ich bin hier zusammen mit deinem Sohn,

zusammen mit Maria und so vielen geliebten Jüngern, die dein Reich im Herzen aufzunehmen

wünschen. Amen.

Worte des Heiligen Vaters nach dem Kreuzweg

Und nachdem wir zusammen mit Maria unter dem Kreuz das Leiden des Herrn erlebt haben,

gehen wir mit stillem Herzen und in Frieden, voll Freude und großer Bereitschaft, Jesus zu folgen.

Jesus begleite euch und die Jungfrau Maria beschütze euch. Auf Wiedersehen!

© Copyright - Libreria Editrice Vaticana

Der Heilige Stuhl

APOSTOLISCHE REISE VON PAPST FRANZISKUS

NACH PANAMA AUS ANLASS DES 34. WELTJUGENDTAGES

(23.-28. JANUAR 2019)

KREUZWEG MIT DEN JUGENDLICHEN

 

Campo Santa Maria la Antigua – Küstenpromenade (Panama)

Freitag, 25. Januar 2019

 

Worte des Heiligen Vaters zu Beginn des Kreuzweges

Liebe junge Freunde aus der ganzen Welt!

Mit Jesus zu gehen ist immer eine Gnade und ein Risiko.

Eine Gnade, weil es uns dazu bringt, im Glauben zu leben und Jesus zu erkennen, in sein tiefstes

Inneres vorzudringen und die Kraft seines Wortes zu begreifen.

Es ist aber auch ein Risiko, weil die Worte Jesu, seine Gesten und Handlungen der Mentalität der

Welt entgegenstehen: der menschlichen Ruhmsucht sowie ihrem Hang zu einer Wegwerfkultur

und zur Lieblosigkeit.

Es gibt eine Gewissheit, die diesen Kreuzweg mit Hoffnung erfüllt: Jesus ist diesen Weg mit Liebe

gegangen. Und auch die glorreiche Jungfrau hat diesen Weg miterlebt, sie, die von den Anfängen

der Kirche an mit ihrer Zärtlichkeit den Weg der Verkündigung des Evangeliums unterstützen

wollte.

 

ANSPRACHE DES HEILIGEN VATERS

 

Herr, Vater der Barmherzigkeit, an dieser Cinta Costera haben wir zusammen mit vielen

Jugendlichen aus der ganzen Welt deinen Sohn auf dem Kreuzweg begleitet; dem Weg, den er für

uns gehen wollte, um uns zu zeigen, wie sehr du uns liebst und wie sehr du an unserem Leben

Anteil nimmst.

Der Weg Jesu nach Golgota ist ein Weg des Leidens und der Einsamkeit, den er in unseren

Tagen fortsetzt. Er geht und leidet in vielen Gesichtern aufgrund der selbstgenügsamen und

betäubenden Gleichgültigkeit unserer Gesellschaft, einer Gesellschaft, die konsumiert und sich

verbraucht, die am Leiden ihrer Geschwister vorbeigeht und so sich selbst ignoriert.

Auch wir, deine Freunde, Herr, lassen uns von der Apathie und der Unbeweglichkeit ergreifen.

Nicht selten hat der Konformismus uns besiegt und gelähmt. Es war schwierig, dich im leidenden

Bruder oder in der leidenden Schwester zu erkennen: Wir haben den Blick abgewendet, um nicht

zu sehen; wir haben im Lärm Zuflucht genommen, um nicht zu hören; wir haben den Mund

verschlossen, um nicht zu schreien.

Immer dieselbe Versuchung. Es ist einfacher und „lohnender“, in Zeiten von Sieg und Ruhm,

Erfolg und Applaus Freunde zu sein; es ist einfacher, dem nahe zu sein, der als beliebt und

siegreich gilt.

Wie einfach ist es, der Kultur des Mobbings, der Belästigung, der Einschüchterung, der Wut

gegenüber dem Schwachen zu verfallen!

Bei dir ist es nicht so, Herr: Am Kreuz hast du dich mit jedem Leiden identifiziert, mit all denen, die

sich vergessen fühlen.

Bei dir ist es nicht so, Herr, weil du all diejenigen umarmen wolltest, die wir oftmals einer

Umarmung, eines Streichelns, eines Segens für unwürdig halten; oder noch schlimmer: Wir

nehmen nicht einmal wahr, dass sie dessen bedürfen, wir beachten sie nicht.

Bei dir ist es nicht so, Herr: Am Kreuz vereinst du dich mit dem Kreuzweg jedes jungen Menschen,

in jeder Situation, um ihn in einen Weg der Auferstehung zu verwandeln.

Vater, der Kreuzweg deines Sohnes geht heute weiter:

er geht weiter im erstickten Schrei der Kinder, denen es verwehrt ist, geboren zu werden, und so

vieler anderer, denen das Recht auf eine Kindheit, eine Familie und Bildung verweigert wird; bei

den Kindern, die nicht spielen, singen, träumen können ...; er geht weiter bei den misshandelten, ausgebeuteten und verlassenen Frauen, die in ihrer Würde

entblößt und missachtet werden;

und in den traurigen Augen der jungen Menschen, die sehen, wie ihnen aufgrund von Mangel an

Bildung und würdiger Arbeit ihre Hoffnungen auf die Zukunft entrissen werden;

er geht weiter in der Angst der jungen Gesichter, unserer Freunde, die in die Netze skrupelloser

Menschen geraten – unter ihnen finden sich auch Personen, die sagen, dass sie dir dienen, Herr

–, in die Netze der Ausbeutung, der Kriminalität und des Missbrauchs, die sich vom Leben der

jungen Menschen nähren.

Der Kreuzweg deines Sohnes geht weiter bei vielen jungen Menschen und Familien, die aufgrund

von Drogen, Alkohol, Prostitution und Menschenhandel in einer Spirale des Todes gefangen sind

und so nicht nur der Zukunft, sondern auch der Gegenwart beraubt werden. Und so wie deine

Kleider zerteilt wurden, Herr, wird ihre Würde zerteilt und misshandelt.

Der Kreuzweg deines Sohnes geht weiter bei den jungen Menschen mit finsteren Gesichtern, die

die Fähigkeit, von der Zukunft zu träumen, sie zu schaffen und zu erfinden, verloren haben und

mit dem Kummer der Resignation und des Konformismus „in Ruhestand gehen“, eine der Drogen,

die in unserer Zeit am meisten konsumiert wird.

Er geht weiter im verborgenen und empörenden Schmerz derer, die statt Solidarität seitens einer

Überflussgesellschaft Ablehnung, Schmerz und Elend antreffen und darüber hinaus als Bringer

und Verantwortliche jedes sozialen Übels bezeichnet und behandelt werden.

Der Leidensweg deines Sohnes geht weiter in der resignierten Einsamkeit der alten Menschen,

die von uns verlassen und ausgesondert wurden.

Er geht weiter bei den indigenen Völkern, die ihres Bodens, ihrer Wurzeln und ihrer Kultur beraubt

werden und deren Weisheit, die sie besitzen und uns anbieten können, zum Schweigen und

Erlöschen gebracht wird.

Vater, der Kreuzweg deines Sohnes geht weiter im Schrei unserer Mutter Erde, die in ihrem

Innersten durch die Luftverschmutzung, durch die Unfruchtbarkeit ihrer Felder, durch die

Verseuchung ihres Wassers verletzt ist und durch die Verachtung und den wahnsinnigen Konsum

über jegliches Maß der Vernunft hinaus mit Füßen getreten wird.

Er geht weiter in einer Gesellschaft, die die Fähigkeit verloren hat, zu weinen und sich vom Leiden

anrühren zu lassen.

Ja, Vater, mit all diesen Personen geht Jesus weiter, nimmt er weiter die Last auf sich und leidet,

während die Welt gleichgültig und in bequemem Zynismus das Drama ihrer Leichtfertigkeit

konsumiert. Und wir, Herr, was tun wir?

Wie reagieren wir gegenüber Jesus, der in so vielen unserer Freunde, so vielen Unbekannten, die

zu übersehen wir gelernt haben, leidet, geht, auswandert?

Und wir, Vater der Barmherzigkeit, trösten und begleiten wir den wehrlosen und leidenden Herrn

in den Kleinsten und am meisten Verlassenen?

Helfen wir ihm, die Last des Kreuzes zu tragen wie Simon von Kyrene, indem wir Frieden stiften,

Bündnisse schaffen, Geschwisterlichkeit fördern?

Haben wir den Mut, unter dem Kreuz zu bleiben wie Maria?

Betrachten wir Maria, die starke Frau. Von ihr wollen wir lernen, beim Kreuz zu stehen. Mit ihrer

gleichen Entschiedenheit und ihrem Mut ohne Ausflüchte oder Illusionen. Sie wusste den Schmerz

ihres Sohnes, deines Sohnes, o Vater, zu begleiten; ihn mit dem Blick zu unterstützen und mit

dem Herzen zu umhüllen. Ein Schmerz, den sie erlitt, der sie aber nicht gebeugt hat. Sie war die

starke Frau des Ja, die unterstützt und begleitet, Schutz gibt und umarmt. Sie ist die große Hüterin

der Hoffnung.

Auch wir, Vater, wollen eine Kirche sein, die unterstützt und begleitet, die angesichts des Lebens

und der Kreuze so vieler „Christusse“, die an unserer Seite gehen, sagen kann: Hier bin ich!

Von Maria lernen wir, Ja zu sagen zum starken und beständigen Widerstand so vieler Mütter,

Väter, Großeltern, die nicht aufhören, ihre Kinder und Enkel zu unterstützen und zu begleiten,

wenn sie in Not sind.

Von ihr lernen wir, Ja zu sagen zur beharrlichen Geduld und zur Kreativität derer, die in den

Situationen, in denen alles verloren scheint, nicht den Mut verlieren und wieder von vorne

anfangen, indem sie versuchen, Räume, familiäre Umfelder und Zentren der Fürsorge zu

schaffen, die wie eine ausgestreckte Hand in den Schwierigkeiten sind.

Von Maria lernen wir die Stärke, Ja zu sagen zu denen, die nicht geschwiegen haben und nicht

schweigen angesichts einer Kultur der Misshandlung und des Missbrauchs, des Gesichtsverlusts

und der Aggression und die sich darum bemühen, Möglichkeiten und Bedingungen der Sicherheit

und des Schutzes zu schaffen.

Von Maria lernen wir, all diejenigen aufzunehmen und zu beherbergen, die das Leid erfahren

haben, verlassen zu werden, die ihr Land, ihre Wurzeln, ihre Familie, ihre Arbeit aufgeben oder

verlieren mussten.

Vater, wie Maria wollen wir Kirche sein, die Kirche, die eine Kultur fördert, die fähig ist,

aufzunehmen, zu beschützen, zu fördern und zu integrieren; die nicht brandmarkt und noch

weniger mit der überaus abwegigen und unverantwortlichen Verurteilung verallgemeinert, jeden

Migranten mit dem Überbringer von sozialem Übel zu identifizieren.

Von ihr wollen wir lernen, beim Kreuz zu stehen, aber nicht mit einem gepanzerten und

verschlossenen Herzen, sondern mit einem Herzen, das zu begleiten vermag, das die Zärtlichkeit

und die Hingabe kennt; das fähig ist, sich zu erbarmen und mit Achtung, Feingefühl und

Verständnis zu handeln. Wir wollen eine Kirche des Gedächtnisses sein, die die alten Menschen

achtet und schätzt und für sie den Raum einfordert, der ihnen als Hüter unserer Wurzeln gehört.

Vater, wie Maria wollen wir lernen stehen zu bleiben.

Lehre uns, Herr, am Fuß des Kreuzes stehen zu bleiben, am Fuß der Kreuze; öffne an diesem

Abend unsere Augen, unser Herz; befreie uns von den Lähmungen und der Verwirrung, von der

Angst und der Verzweiflung. Vater, lehre uns zu sagen: Ich bin hier zusammen mit deinem Sohn,

zusammen mit Maria und so vielen geliebten Jüngern, die dein Reich im Herzen aufzunehmen

wünschen. Amen.

Worte des Heiligen Vaters nach dem Kreuzweg

Und nachdem wir zusammen mit Maria unter dem Kreuz das Leiden des Herrn erlebt haben,

gehen wir mit stillem Herzen und in Frieden, voll Freude und großer Bereitschaft, Jesus zu folgen.

Jesus begleite euch und die Jungfrau Maria beschütze euch. Auf Wiedersehen!

© Copyright - Libreria Editrice Vaticana

Der Heilige Stuhl

APOSTOLISCHE REISE VON PAPST FRANZISKUS

NACH PANAMA AUS ANLASS DES 34. WELTJUGENDTAGES

(23.-28. JANUAR 2019)

WILLKOMMENS- UND ERÖFFNUNGSFEIER DES WELTJUGENDTAGS

ANSPRACHE DES HEILIGEN VATERS

 

Campo Santa Maria la Antigua – Cinta Costera (Panama)

Donnerstag, 24. Januar 2019

 

Liebe Jugendliche! Guten Abend!

Was für ein schönes Wiedersehen – in diesem Land, das uns so farbenfroh und warmherzig

empfängt! Der Weltjugendtag, der uns hier in Panama zusammenführt, ist wieder einmal ein Fest,

ein Fest der Freude und der Hoffnung für die ganze Kirche. Und für die Welt ist er ein großes

Zeugnis des Glaubens.

Ich erinnere mich, dass mich in Krakau einige Leute fragten, ob ich nach Panama kommen würde,

und ich sagte: „Ich weiß nicht, ob ich da sein werde, aber Petrus wird sicher da sein. Petrus wird

da sein.“ Heute freue ich mich, euch sagen zu können: Petrus ist bei euch, um den Glauben und

die Hoffnung zu feiern und zu erneuern. Petrus und die Kirche gehen mit euch, und wir wollen

euch sagen, dass ihr euch nicht davor fürchten braucht, mit dieser erfrischenden Energie und

dieser bleibenden Sehnsucht weiterzumachen, die uns hilft und uns anspornt, freudiger und

verfügbarer zu sein – und damit bessere „Zeugen des Evangeliums“. Weitermachen, nicht etwa

um auf einer Jugendveranstaltung mit ein paar dekorativen Elementen eine etwas „spaßigere“

oder „coolere“ Parallelkirche zu errichten, als ob euch das glücklich machen könnte. So zu

denken, würde bedeuten, euch und alles, was der Geist durch euch sagt, nicht ernst zu nehmen.

Im Gegenteil! Wir wollen gemeinsam mit euch die unablässige Neuheit und Jugendlichkeit der

Kirche entdecken und erwecken, indem wir uns immer für diese Gnade des Heiligen Geistes

öffnen, der oftmals ein neues Pfingsten bewirkt (vgl. Jugendsynode,

Abschlussdokument, 60). Und das ist nur möglich, wenn wir uns, wie vor Kurzem bei der Synode, aufschwingen,

voranzuschreiten, indem wir einander zuhören, und zuzuhören, indem wir zusammenkommen. Wir

sollten ein Zeugnis geben können, indem wir den Herrn durch den Dienst an unseren Brüdern und

Schwestern verkünden; in einem konkreten Dienst, versteht sich. Es ist keine Liebhaberei,

sondern ein konkreter Dienst. Wenn wir aufbrechen, junge Freunde – immer jung wie in der

Geschichte Amerikas –, denke ich an euch, die ihr als Erste zu diesem Weltjugendtag

aufgebrochen seid, denke ich an die Jugend der indigenen Bevölkerung. Ihr ward die Ersten in

Amerika und jetzt seid ihr die Ersten, die zu diesem Treffen aufgebrochen sind. Gebt ihnen einen

Riesenapplaus! Und ihr jungen Menschen afrikanischer Abstammung, auch ihr habt eure

Begegnung schon gehabt und seid uns voraus. Ein weiterer Applaus!

Gut. Ich weiß, dass es nicht einfach war, hierher zu kommen. Ich kenne die Mühen und Opfer, die

ihr gebracht habt, um an diesem Ereignis teilnehmen zu können. Viele Tage Arbeit und Einsatz,

die Treffen der Reflexion und des Gebets sorgen dafür, dass der Weg selbst sich lohnt. Ein

Jünger ist nicht nur der, der etwas erreicht, sondern derjenige, der mit Entschiedenheit anpackt,

der keine Angst hat, Risiken einzugehen und sich auf den Weg zu machen. Wenn einer sich auf

den Weg macht, ist er schon ein Jünger. Wenn du sitzen bleibst, hast du verloren. Anfangen

loszugehen, das ist die größte Freude des Jüngers, unterwegs sein. Ihr hattet keine Angst,

Risiken einzugehen und euch auf den Weg zu machen. Und heute können wir feiern, weil dieses

Fest schon vor langer Zeit in allen euren Gemeinschaften begonnen hat.

Wir haben soeben der Vorstellung zugehört und haben an den Fahnen gesehen, dass wir aus

verschiedenen Kulturen und Völkern kommen, verschiedene Sprachen sprechen und

unterschiedliche Kleidung tragen. Jedes unserer Völker hat eine andere Geschichte und andere

Verhältnisse erlebt. Wie viele Dinge können uns voneinander unterscheiden! Aber nichts davon

hat uns daran gehindert, zusammenzukommen, so viele Unterschiede haben es nicht verhindert,

dass wir uns treffen, dass wir beieinander sind, dass wir miteinander vergnügt sind, dass wir

miteinander feiern und gemeinsam Jesus Christus bekennen. Kein Unterschied hat uns gestoppt.

Und das ist möglich, weil wir wissen, dass es etwas gibt, das uns verbindet, dass es jemanden

gibt, der uns zu Brüdern und Schwestern macht. Ihr, liebe Freunde, habt viele Opfer gebracht, um

einander begegnen zu können und so werdet ihr wahre Meister und Gestalter der Kultur der

Begegnung. Ihr werdet damit zu Meistern und Gestaltern der Kultur der Begegnung, die nicht nur

ein „Hallo, wie geht’s?“ und ein „Hallo, bis bald!“ ist. Nein, die Kultur der Begegnung lässt uns

gemeinsam losgehen, mit unseren Unterschieden, doch mit Liebe, alle vereint auf dem gleichen

Weg. Ihr, mit euren Gesten und eurem Verhalten, mit euren Blicken, Wünschen und vor allem mit

eurer Sensibilität widerlegt und entschärft ihr all jene Reden, die darauf bedacht sind, Spaltung

hervorzurufen, jene Reden, die mit aller Kraft diejenigen ausschließen und vertreiben wollen, die

„nicht wie wir sind“. Wie man in einigen Ländern Amerikas sagt: „Sie sind keine GCU

[gente como uno, Menschen wie wir]“. Widersprecht diesen Redensarten! Alle sind sie Menschen wie wir, bei

all unseren Unterschieden. Und das liegt daran, dass ihr ein Gespür dafür habt, dass »die wahre

Liebe legitime Unterschiede nicht auslöscht, sondern sie in einer höheren Einheit miteinander in

Einklang bringt« (vgl. Benedikt XVI., Predigt, 25. Januar 2006). Ich wiederhole: „Die wahre Liebe

löscht legitime Unterschiede nicht aus, sondern bringt sie in einer höheren Einheit miteinander in

Einklang“. Wisst ihr, wer das gesagt hat? Wisst ihr das? Papst Benedikt XVI., der uns jetzt

zuschaut. Geben wir ihm einen Applaus und schicken wir ihm einen Gruß von hier! Er schaut uns

am Fernsehen zu. Ein Gruß, alle winken mit den Händen Papst Benedikt zu! Nun, wir wissen,

dass der Vater der Lüge, der Teufel, immer ein gespaltenes und streitsüchtiges Volk vorzieht. Er

ist der Meister der Spaltung und fürchtet ein Volk, das lernt zusammenzuarbeiten. Und das ist ein

Kriterium, um die Menschen zu unterscheiden: diejenigen, die Brücken bauen, und diejenigen, die

Mauern errichten. Diejenigen, die Mauern errichten, säen Angst und versuchen, die Menschen zu

spalten und einzuschüchtern. Ihr aber wollt Brückenbauer sein. Was wollt ihr sein? [Die

Jugendlichen antworten: „Brückenbauer!“]. Ihr habt gut aufgepasst, das freut mich!

Ihr zeigt uns, dass Begegnung nicht bedeutet, dass man sich verstellt, und auch nicht, dass man

dasselbe denkt oder den gleichen Lebensstil pflegt, indem man dieselben Dinge tut und

nachmacht: Das machen die Papageien. Sich begegnen heißt sich anders zu verhalten wissen, in

eine Kultur des Miteinanders eintreten. Es ist ein Aufruf und eine Einladung, mit Mut

einen gemeinsamen Traum miteinander lebendig zu halten. Wir haben viele Unterschiede und sprechen

verschiedene Sprachen. Wir tragen unterschiedliche Sachen, doch bitte richten wir uns darauf

aus, einen gemeinsamen Traum zu haben. Das können wir sicher tun! Und das löst uns nicht auf,

es bereichert uns. Ein großer Traum; ein Traum, der in der Lage ist, alle miteinzubeziehen. Es ist

der Traum, für den Jesus am Kreuz sein Leben hingegeben hat und für den der Heilige Geist sich

ergoss und das Pfingstereignis in die Herzen eines jeden Mannes und einer jeden Frau

einbrannte, in jedes Herz, in deines und deines und deines ... und in mein Herz – auch in dein

Herz hat er es eingebrannt in der Hoffnung, dass er Raum findet, um zu wachsen und sich zu

entfalten. Ein Traum, ein Traum namens Jesus, der vom Vater ausgesät wurde: Gott wie dieser,

wie der Vater und vom Vater ausgesandt im Vertrauen darauf, dass er in jedem Herzen wachse

und lebe. Ein konkreter Traum, der ein Mensch ist, der durch unsere Adern fließt, das Herz

bewegt und jedes Mal neu bewegt, wenn wir die Worte hören: »Liebt einander! Wie ich euch

geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger

seid« (Joh 13,34-35). Wie heißt unser Traum? [Die Jugendlichen antworten: „Jesus!“]. Ich

verstehe nicht ... [Sie wiederholen: „Jesus!“]. Ich kann es nicht verstehen ... [Sie antworten lauter: „Jesus!“].

Ein Heiliger von hier – hört zu – ein Heiliger dieser Erde sagte gerne: »Das Christentum ist nicht

eine Ansammlung von Wahrheiten, die zu glauben sind, und von Geboten und Verboten, die zu

beachten sind. Das Christentum ist so verstanden keineswegs attraktiv. Das Christentum ist eine

Person, die mich so sehr geliebt hat und die meine Liebe ersehnt und verlangt. Das Christentum

ist Christus« (Oscar Romero, Predigt, 6. November 1977). Sagen wir es gemeinsam? [Zusammen

mit den Jugendlichen] Das Christentum ist Christus. Noch einmal: Das Christentum ist Christus.

Ein weiteres Mal: Es ist Christus! Es besteht darin, den Traum fortzuführen, für den er sein Leben

hingegeben hat, es besteht darin, mit derselben Liebe zu lieben, mit der er uns geliebt hat. Er hat

uns nicht nur halb geliebt, er hat uns nicht nur ein bisschen geliebt. Er hat uns total geliebt und

uns mit Sanftmut und Liebe überschüttet. Er gab sein Leben.

Wir fragen uns: Was hält uns zusammen? Warum sind wir zusammen? Was bringt uns dazu,

zusammenzukommen? Wisst ihr, was uns zusammenhält? Es ist die Gewissheit, dass wir zutiefst

geliebt sind, und diese Liebe wollen und können wir nicht verschweigen. Sie bringt uns vielmehr

dazu, auf die gleiche Weise zu antworten: mit Liebe. Es ist die Liebe Christi, die uns antreibt (vgl. 2 Kor 5,14).

Schaut: Eine Liebe, die vereint, ist eine Liebe, die sich nicht aufdrängt und die nicht erdrückt, sie

grenzt nicht aus, sie bringt nicht zum Schweigen und schweigt auch nicht, sie demütigt nicht und

unterwirft nicht. Die Liebe des Herrn ist eine alltägliche Liebe, diskret und respektvoll, sie liebt die

Freiheit und sie befreit, sie ist eine Liebe, die heilt und erhebt. Die Liebe des Herrn kennt sich eher

mit dem Wiederaufstieg als mit dem Fall aus, mehr mit der Versöhnung als mit Verboten, mehr mit

dem Gewähren neuer Möglichkeiten als mit der Verdammnis, mehr mit der Zukunft als mit der

Vergangenheit. Es ist die stille Liebe einer dienend und hingebungsvoll ausgestreckten Hand. Es

ist eine Liebe, die nicht prahlt, die sich nicht aufplustert, eine demütige Liebe, die sich den

anderen schenkt, und zwar immer mit der ausgestreckten Hand. Das ist die Liebe, die uns heute

vereint.

Ich frage dich: Glaubst du an diese Liebe? [Sie antworten: Ja!]. Ich stelle eine weitere Frage:

Glaubst du, dass diese Liebe „sich lohnt“? Jesus hat diese Frage einmal einem Menschen gestellt

und dann am Schluss gesagt: „Wenn du das glaubst, geh und mache es ebenso“. Im Namen Jesu

sage ich euch: Geht und macht es ebenso. Habt keine Furcht zu lieben, fürchtet euch nicht vor

dieser konkreten Liebe, dieser Liebe voll von Zärtlichkeit, dieser Liebe, die Dienst ist, dieser Liebe,

die das Leben schenkt.

Und das ist die Frage und der Ruf, die an Maria ergingen. Der Engel fragte sie, ob sie diesen

Traum in ihrem Schoß tragen, ob sie ihm Leben schenken, ihm zu einem leibhaftigen Menschen

machen wolle. Maria hatte das gleiche Alter wie viele von euch hier, wie viele von euch Mädchen.

Sie sprach: »Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast« (Lk 1,38).

Schließen wir alle die Augen und denken wir an Maria. Sie war nicht dumm, Sie war sich dessen

bewusst, was sie in ihrem Herzen spürte. Sie wusste, was Liebe ist und sie hat geantwortet:

»Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast«. In diesem kurzen

Augenblick der Stille, in dem Jeus zu jedem sagt – zu dir und zu dir und zu dir ... – „Fühlst du dich

danach? Willst du?“ Denk an Maria und antworte: „Ich will dem Herrn dienen. Mir geschehe, wie

4

du gesagt hat.“ Maria vermochte „Ja“ zu sagen. Sie hatte den Mut, den Traum Gottes mit Leben

zu erfüllen. Willst du den Traum Gottes mit deinen Händen und Füßen, mit deinem Blick und

deinem Herzen wirklich werden lassen? Möchtest du, dass die Liebe des Vaters dir neue

Horizonte eröffnet und dich auf Pfaden führt, die du dir nie vorgestellt und erdacht hättest, die du

dir nie erträumt oder von denen du nie erwartet hättest, dass sie dein Herz so erfreut singen und

tanzen ließen?

Haben wir den Mut, wie Maria zum Engel zu sagen: „Siehe, wir sind Knechte und Mägde des

Herrn, uns geschehe...“? Antwortet jetzt nicht, jeder antworte in seinem Herzen. Es gibt Fragen,

auf die man nur in der Stille antwortet.

Liebe Jugendliche, dieser Weltjugendtag wird nicht zu einer Quelle der Hoffnung durch ein

Abschlussdokument, durch eine Übereinkunft oder ein Programm. Nein, das wird es nicht sein.

Was mehr Hoffnung gibt bei dieser Begegnung, sind eure Gesichter und ein Gebet. Das wird

Hoffnung geben. Mit dem Gesicht, mit dem ihr nach Hause zurückkehrt, mit dem verwandelten

Herzen, mit dem ihr nach Hause kommt und mit dem Gebet, was ihr mit diesem verwandelten

Herzen gelernt habt. Das, was mehr Hoffnung bei diesem Treffen bringen wird, werden eure

Gesichter und euer Gebet sein. Und jeder wird mit dieser neuen Kraft nach Hause zurückkehren,

die immer dann entsteht, wenn wir uns mit anderen und mit dem Herrn treffen, erfüllt vom Heiligen

Geist, um jenen Traum zu erinnern und am Leben zu erhalten, der uns zu Brüdern und

Schwestern macht und den wir – das ist unsere Berufung – im Herzen der Welt nicht erstarren

lassen wollen: Egal wo wir sein werden, egal was wir tun werden, immer können wir nach oben

schauen und sagen: „Herr, lehre mich so zu lieben, wie du uns geliebt hast.“ Wollen wir das

gemeinsam wiederholen? „Herr, lehre mich so zu lieben, wie du uns geliebt hast“. [Zusammen mit

den Jugendlichen] „Herr, lehre mich so zu lieben, wie du uns geliebt hast“. Lauter, ihr seid heiser.

„Herr, lehre mich so zu lieben, wie du uns geliebt hast“.

Schön. Und da wir gut und wohlerzogen sein wollen, können wir diese erste Zusammenkunft nicht

beenden ohne zu danken. Danke allen, die diesen Weltjugendtag mit großer Begeisterung

vorbereitet haben, all dies hier. Danke, großartig! Danke, dass ihr den Mut hattet, alles

herzurichten und Gäste aufzunehmen, dass ihr „Ja“ gesagt habt zu dem Traum Gottes, seine

Söhne und Töchter vereint zu sehen. Danke an Erzbischof Ulloa und alle seine Mitarbeiter, die

dazu beigetragen haben, dass Panama heute nicht nur ein Kanal ist, der die Meere verbindet,

sondern auch ein Kanal, in dem der Traum Gottes weitere kleine Kanäle findet, um zu wachsen,

sich weiter zu verzweigen und in alle Ecken der Erde auszustrahlen.

Liebe Freunde, Freundinnen und Freunde, Jesus segne euch! Das wünsche ich euch von ganzem

Herzen. Unsere Liebe Frau von Antigua begleite euch und behüte euch, auf dass wir wie sie ohne

Angst sagen können: »Hier bin ich, so soll mir geschehen«.

Danke!

 

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