Internationale Tagung in Clervaux

+++ 19. bis 21. März 2010 – „Verwurzelt in Christus" Internationale Tagung zur Vorbereitung des Weltjugendtags tagte in Clerveaux

Knapp 50 Verantwortliche für Jugendpastoral aus fünf Nationen kamen am vergangenen Wochenende im Norden Luxemburgs zusammen, um sich mit dem Motto des XXVI. Weltjugendtags in Madrid, der im Sommer 2011 stattfinden wird, auseinander zu setzen.

Bereits am Freitagabend beeindruckte Bruder Paulus Terwitte, Ordensbruder und TV-Talkmaster, aus Würzburg, die Teilnehmer in der abgedunkelten Kirche in Clerveaux mit der mystischen Dimension des Mottos aus dem Kolosserbrief: „Verwurzelt in Christus und gegründet auf ihn, fest im Glauben!“ Neben den Teilnehmern der Tagung kamen zu diesem spirituellen Auftakt der Tagung viele Gläubige aus nah und fern in die bis auf den letzten Platz gefüllten Kirche. „Gott lässt sich einwurzeln in diese Welt, er ist ein heruntergekommener Gott.“, betont Bruder Paulus ausdrucksstark in Mimik und Gestik. Der unter anderem aus Talkshows bei SAT1 und N24 bekannte „moderne Wanderprediger“, wie er sich selbst zu nennen pflegt, findet in dem Motto des Weltjugendtags eine zentrale Aussage für junge Gläubige: „Weil Gott ganz unten ist, brauchen wir ihm nichts vorzumachen. Die Kirche ist kein Verein von Schöntuern: die Kirche ist da stark, wo sie ganz ehrlich und wahrhaftig ist. Und junge Menschen sind besonders sensibel für diese Wahrhaftigkeit.“

Die Teilnehmer wollten sich von der Tagung für die Vorbereitungswege anregen lassen, die in den nächsten Monaten in allen Nationen beginnen. „Es ist wichtig, dass wir den jungen Menschen ein Angebot machen, durch das sie mit dem Wort Gottes in Berührung kommen und Geschmack bekommen für die Tiefe und Fülle des christlichen Glaubens.“ unterstreicht Pfarrer Eric Poinsot, Verantwortlicher der Französischen Bischofskonferenz für die Vorbereitung des Weltjugendtags.

Kritisch diskutierten die Teilnehmer ihre Erfahrungen mit der Liturgie bei den Weltjugendtagen. Vor allem die großen Feiern mit dem Heiligen Vater seien durch ihre musikalische und textliche Gestaltung sehr weit entfernt von den Bedürfnissen der Jugendlichen. Umso mehr komme es auf die Vorbereitung der Gruppen in den Diözesen an, war das Fazit der Jugendseelsorger, die auf Einladung der Jugendpastoral Euregio, dem Zusammenschluss der (Erz-)Diözesen Luxemburg, Lüttich, Metz, Troyes und Trier, zusammen kamen.

Sandra Hübenthal, Lecturer für biblische Theologie an der RWTH in Aachen, erschloss in ihrem Vortrag den biblischen Kontext des Mottos, einem Zitat aus dem Kolosserbrief. Die Situation, der sich die Adressaten des Briefes ausgesetzt sahen, sei der der jungen Christen in der Postmodernen nicht unähnlich, damals wie heute gehe es um die Frage, wie die durch den christlichen Glauben errungene Identität sich im Alltag etablieren können. „Die Adressaten des Kolosserbriefs waren Second-Hand-Christen, die bereits keinen Kontakt mehr zu den Zeitzeugen des Lebens, Leidens und der Auferstehung Jesu hatten. So geht es den jungen Menschen heute ja auch. Und in der Antike wie in der Postmoderne muss sich der christliche Glaube in einer multireligiösen und multiperspektivischen Welt bewähren.“ Das Heilsverständnis des Kolosserbriefes, so die Aachener Theologin, ist umfassend, die ganze Welt ist durch Christus erlöst, seine Heilstat ist endgültig. Aufgabe für die Christen sei es, sich der Heilstaten Christi gemäß zu verhalten. „Die Christen sind erlöst und müssen sich hierzu bekennen.“ Diesen Perspektivwechsel, den die Botschaft von der Erlösung der ganzen Welt mit sich bringt, umzusetzen sei Auftrag an die jungen Christen in der Antike wie in der Postmoderne.

Auch der emeritierte Schweizer Pastoraltheologe Leo Karrer beginnt seinen Vortrag mit der Beschreibung der Situation, in der sich Christen und der christliche Glauben unter den Bedingungen der Postmoderne befinden. Die sich breit machende postmoderne Melancholie und Subjekterschöpfung und der Verlust von moralischen und kulturellen Orientierungen riefen nach einer Besinnung auf tragende Fundamente und nach Ressourcen der Hoffnung und Zuversicht. Hier sieht er die Aufgabe der Kirche und der Weltjugendtage, deren Einrichtung und Internationalität er als eine große Chance für die Kirche begreift. „Die christliche Botschaft entlastet von der überfordernden, überanstrengenden Selbstbehauptung des Subjekts. Es braucht eine Vision, die ich nicht selbst garantieren muss.“ Der Schweizer Theologe, der sich von der intensiven Arbeit der Teilnehmer am Thema beeindruckt zeigt, ermutigt die Christen zur Treue zu ihrer Vision, die in der Botschaft des Lebens Jesu Christi greifbar wird: „Jeder Mensch ist ein Zeichen der Liebe Gottes und in seiner Tiefe bejaht. Das ist eine Hoffnung für alle Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft oder Zugehörigkeit.“

Neben diesen thematischen Auseinandersetzungen vertieften die Teilnehmer ihrer Methodenkenntnis in verschiedenen Workshops, die die Teilnehmer aus unterschiedlichen Nationen zusammenführten und somit jugendpastorales Fachwissen über die Grenzen transportierten. Den liturgischen Höhepunkt bildete ein Gottesdienst mit Erzbischof Fernand Frank, in dessen Verlauf die Teilnehmer als Zeichen ihrer Verwurzelung Blumen pflanzten.

Die Sprecher der Euregio Christel Quiring, Bistum Trier, und Pierre Guerigen, Bistum Metz, dankten vor allem den Verantwortlichen der Luxemburger Pastoralregion Norden für die Gastfreundschaft und den reibungslosen Ablauf der Veranstaltung.